ST vom 14.07.10
Mit dem Sessellift fuhren sie gestern noch einmal gemeinsam hinauf nach Schloss Burg: Heute trennen sich die Wege der Burger Schüler und ihrer Lehrer Waltraud Fiedler und Norbert Bothe. Die Schule, seit zwei Jahren Teilstandort der Grundschule Schützenstraße, wird geschlossen (ST berichtete). Damit verliert der Stadtteil an der Wupper eine weitere Einrichtung. Doch gleichzeitig gibt es Bemühungen, Burg nach vorne zu bringen - zumindest als Tourismusstandort. Die Bergische Entwicklungsagentur werde morgen eine Bewerbung bei der NRW Bank einreichen, berichtet Chef-Planerin Annette Nothnagel. Es geht um eine Million Euro an Fördermitteln aus dem Wettbewerb „erlebnis.nrw“. Mit dem Geld könnte Schloss Burg touristisch aufgemöbelt werden.
Menschen ab 55 sollen nach Schloss Burg gelockt werden
Das Geld könnte ab Sommer 2011 fließen - wenn das Konzept die Wettbewerbsjury überzeugt. Vor allem die Zielgruppe der oft wohlhabenden, qualitätsbewussten Menschen über 55 soll verstärkt nach Schloss Burg gelockt werden, lautet eine der Ideen: unter anderem mit noch mehr Kulturveranstaltungen. Zu den Vorschlägen zählen eine bessere Beschilderung, ein Dach für Freiluftveranstaltungen und ein Foyer-Bereich am Eingang, der um einen Shop ergänzt werden könnte. Auch für Geschäftsreisende soll Schloss Burg interessanter werden. Gerade wird ein „Location Guide“ fürs Städtedreieck erstellt, in dem die Solinger Sehenswürdigkeit natürlich vertreten ist.
Renovierungsarbeiten dürften mit diesen Fördermitteln allerdings nicht finanziert werden, ebenso wenig Ausgaben für das Museum. Die Entwicklungsagentur arbeite jedoch im Auftrag der drei Städte Solingen, Wuppertal und Remscheid gerade an einem Sanierungskonzept für Schloss Burg, sagt Annette Nothnagel.
Der gesamte Stadtteil spielt zudem eine große Rolle im so genannten Rahmenkonzept Burg/Müngsten. Auch hier gibt es eine Menge Ideen - wann und ob sie verwirklicht werden, ist offen: Umgestaltung des Parkplatzes in Unterburg, ein Steg über die Wupper, neue Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und 46 weitere Maßnahmen tauchen darin auf. Nothnagel: „Wir hoffen, dass wir sie irgendwann umgesetzt bekommen. Wegen der Haushaltslage sind die Möglichkeiten der Stadt jedoch begrenzt.“ Zwei Maßnahmen kommen jedoch auf jeden Fall: Burg soll an einen Wanderweg von Essen nach Königswinter sowie an einen Panorama-Radwanderweg (bis 2012 fertig) angebunden werden.
Tourismus ist das eine, die Situation für die Bürger das andere: „Ich glaube nicht, dass noch viele Familien hierhin ziehen“, sagt Tordis Kirschner, deren Sohn Jannik heute den letzten Schultag in Burg hat. „Es bleibt zu wenig Geld in Burg“, ergänzt Detlef Dohr. „Die Leute kaufen ihre Brötchen woanders und beschäftigen Handwerker von außerhalb.“ Dohrs Tochter Jasmin wird künftig in die Grundschule Hünger gehen. Doch er zeigt Verständnis: „Ich verstehe, dass man eine Schule nicht für zwei, drei Klassen offen lassen kann.“
Lehrer Norbert Bothe wechselt „nach fast zwei Jahrzehnten“ in Burg nun an die Grundschule Stübchen - und versucht, Aufbruchstimmung zu vermitteln. „Jetzt kommt etwas Neues. Jammern bringt nichts.“
